Santa Maria in Solario, Museo di Santa Giulia

Entdecke die Unesco-Welterbestätte der Stadt Brescia

Brescia ist Unesco-Welterbe

Am 25. Juni 2011 hat die UNESCO Brescia mit “Die Langobarden in Italien. Die Orte der Macht (568-774 n.Chr.)” in die Liste des Welterbes der Menschheit aufgenommen.

Für Italien handelt es sich um die 46. Stätte, die in die berühmte Liste aufgenommen wurde und bestätigt für unser Land die Vormachtstellung innerhalb des Unesco-Welterbes.

Die Anerkennung zeichnet zwei der bedeutendsten historischen Gegebenheiten in Brescia aus, die zu den wichtigsten und besterhaltenen langobardischen Zeugnissen in Italien gehören. Es gibt insgesamt sieben monumentale Komplexe in Italien, bei denen die UNESCO die Bedeutung der langobardischen Bevölkerung für die Entwicklung der künstlerischen und geistigen Ausdrucksformen des europäischen Mittelalters in den Blick rückt:

  • Das monumentale Gebiet mit dem Klosterkomplex San Salvatore – Santa Giulia und das archäologische Areal des Capitolium in Brescia
  • Das Gebiet der Gastaldaga mit dem Langobardentempel und dem Bischöflichen Komplex in Cividale del Friuli (UD)
  • Das Castrum mit Turm in Torba und die Kirche Santa Maria foris portas in Castelseprio Torba (VA)
  • Die Basilika San Salvatore in Spoleto (PG)
  • Der kleine Tempel des Clitunno in Campello sul Clitunno (PG)
  • Der Komplex Santa Sofia in Benevent
  • Die Wallfahrtskirche San Michele in Monte Sant’Angelo (FG)

Der monumentale Komplex San Salvatore – Santa Giulia

Im Jahr 753 n.Chr. von Desiderius gegründet, Herzog von Brescia und künftiger König der Langobarden, ist der monumentale Gebäudekomplex San Salvatore – Santa Giulia ein altes Frauenkloster des Benediktinerordens. Im Laufe der Jahre wurde es zur europäischen Anlaufstelle für die Erziehung langobardischer und karolingischer Mädchen aus dem Adel. Dieses Prestige hielt sich über die Jahrhunderte und wird insbesondere von Kreisen innerhalb des Klosters bezeugt.

Museo di Santa Giulia, Brescia

Die Kirche San Salvatore bildet eines der wichtigsten Beispiele religiöser Architektur des Hochmittelalters; die dreischiffige Kirche wird  unterteilt von Säulen und Kapitellen, bei denen langobardischer, klassischer und byzantinischer Dekor nebeneinander existieren und ein Gleichgewicht heterogener Stile hervorbringen. Die Krypta, die heiligste Kultstätte des Klosters, bewahrte ursprünglich die Reliquien der hl. Julia und ist auch heute noch einer der am meisten beeindruckenden Orte des Klosterkomplexes.

Die Fassade von San Salvatore wurde 1466 abgerissen, um einem weiteren Gebäude von großem Wert Platz zu machen: dem Chor der Nonnen, einem großen Raum, von dem die Nonnen den Gottesdiensten beiwohnten, der von einem reich mit Fresken geschmückten Deckengewölbe überspannt wird.

Und ebenfalls von großer Bedeutung ist die Kirche Santa Maria in Solario, das alte Depot des Klosterschatzes, in dem heute eines der Meisterwerke der langobardischen Goldschmiedekunst zu sehen ist: das Desideriuskreuz. Ein imposantes Holzkreuz, das mit einer Metallschicht überzogen ist, die über und über mit Kameen, Gemmen und Edelsteinen verschiedener Epochen von der klassischen Zeit bis ins 17. Jahrhundert bestückt ist. Es wird in der Oberkirche aufbewahrt, überspannt von einer herrlichen Kuppel mit blauem Fresken und sich golden angebenden Sternen.

Santa Maria in Solario a Superquark

Heute ist der Komplex der Sitz des Museums Santa Giulia, Bewahrer der langen Geschichte Brescias, die in Skulpturen, Waffen und liturgischen Gegenständen überliefert wird.

Im Museum ist ein eigener Bereich dem römischen Haus (Domus) gewidmet, das in einem archäologischen Areal dokumentiert wurde, in dem in situ die Reste zweier Häuser zu sehen sind, die an der Stelle gefunden wurden, die seit dem Mittelalter vom Gemüsgegarten des Klosters bedeckt war, was die gebräuchliche Bezeichnung “Domus dell’Ortaglia” erklärt.

Das archäologische Areal des Capitolium

Als die Universität der Wissenschaften, Sprachwissenschaften und Künste die Ausgrabungen förderte, die den gesamten monumentalen Komplex ans Licht brachten, war das einzig sichtbare architektonische Element eine korinthische Säule aus weißem Marmor, die aus dem Gelände hervorlugte: 1823 wurden dann schließlich alle weiteren Gebäude freigelegt, die am Forum lagen, dem Zentrum für Politik, Handel und religiöses Leben im antiken römischen Brixia.

Capitolium, Brescia

Der Kapitolinische Tempel, oder Capitolium, wurde 73 n.Chr. auf Betreiben von Vespasian erbaut, dessen Name auf dem Giebel des Tempels zu lesen ist. Zwischen dem 4. und 5. Jahrhundert wurde der Tempel größtenteils durch einen Brand zerstört und erst 1823 wiederentdeckt. Weitere Grabungen im Jahr 1826 führten zur Entdeckung eines Depots mit Skulpturen und Bronzeschmuck, die in einem Hohlraum aufbewahrt wurden, der sich zwischen dem Cidneo-Hügel und dem Tempel gebildet hatte: Zwischen verschiedenen Objekten sticht die Vittoria Alata hervor, eine Bronzeskulptur, die im Capitolium aufbewahrt wird, nachdem sie jahrelang im Museum Santa Giulia zu sehen war und zum Wahrzeichen der Stadt Brescia geworden ist. Die heutige Mehrfarbigkeit des Tempels geht auf einen Eingriff im Jahr 1939 zurück: Die Teile aus weißem Marmor sind die Originale, die aus Ziegel wurden in neuerer Zeit eingefügt. Unter diesem ruht ein weiterer Tempel, die noch älter ist und wahrscheinlich um 89 v. Chr. erbaut wurde, bekannt als Republikanisches Heiligtum. In seinem Inneren kann man perfekt erhaltene Wandmalereien bewundern, deren lebendige und leuchtende Farben die Jahrhunderte überdauert haben.

Ein weiteres Gebäude an der großen Piazza ist das Theater, erbaut im 1. Jahrhundert n.Chr. in Anlehnung an das natürliche Gefälle des Cidneo-Hügels.

Und schließlich stand hier die römische Basilika, ein antiker Ort der Verwaltung der Rechtsprechung und des Handels, der die Lücke am Forum schloss.

Es handelt sich um das größte und besterhaltene archäologische Areal aus römischer Zeit in ganz Norditalien und zeugt von der Bedeutung, die Brescia während der römischen Okkupation innehatte.

Die UNESCO- Welterbestätte Die Langobarden in Italien. Die Orte der Macht (568-774 n.Chr.) ist eine weitere Bestätigung der historischen und kulturellen Bedeutung von Brescia, der zahlreichen Schönheiten, welche die Stadt prägen und einen Besuch einzigartig machen, und damit zu einem Ort, den man mindestens einmal im Leben gesehen haben muss.

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